KUNST im blauen haus



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Hinaus


Syrinx


Abwarten

  17. September 2017

Vom Suchen und Finden

Zur Ausstellung „Vom Suchen und Finden“

Die Keramikerin Gudrun Sailer charakterisiert ihre Arbeit als Suchen und Finden. „Wer nicht sucht, kann auch nichts finden.“, meint die aus Rudolstadt in Thüringen geborene Sailer. Die Ausstellung zeigt Ergebnisse ihres künstlerischen Suchens und Findens. Begegnungen, Konflikte, Lebenssituationen arbeitet Sailer buchstäblich in das Material ihrer Wahl, den Ton, hinein. Am Beginn einer Arbeit hat Sailer durchaus ein Konzept. Allerdings bleibt sie im Gestaltungsprozess offen und achtet darauf, was das Material verlangt. Im plastischen Umgestaltungsprozess der Tonplatten und später auch im Auftrag der Engoben und Oxyde hält die Künstlerin Zwiesprache mit dem Material, spürt nach und spürt ab, was das Formale verlangt. In diesem offenen Weiterschreiten liegt eine Suche, die das Finden erlaubt: die Erkenntnis des Moments, in dem das Werk vollendet ist.

Sailer gibt ihren Werken meist kurze, prägnante Titel wie: „Moment“, „Pause“, „Weiter“ oder
„Hinaus“. Die Titel legen nicht fest – regen aber zum Hinschauen und Nachsinnen an. Denn die Stücke zeigen stets auch die Offenheit des Suchprozesses. Sailers Arbeiten anzusehen kann wie das Wolkenbetrachten sein: es gibt den Moment des Erkennens einer Gestalt und die Freude des Entdeckens, das Ausmalens. Titel und Werk sind dabei frappant stimmig.
So liegt den Plastiken „Hinaus“ und „Syrinx“ Sailers Auseinandersetzung mit dem Erwachsenwerden und in die Welt Streben ihrer Tochter zu Grunde. Hierzu meint die Keramikerin: „Die eigenen Erfahrungen und Begegnungen mit den Menschen sind mir immer wieder Anlass durchaus Persönliches und doch auch alle Menschen Betreffendes und ihnen Verständliches sichtbar zu machen.“

Hermann Hesse lässt Siddharta zu Govinda sagen: „Suchen heißt: ein Ziel haben. Finden aber heißt: frei sein, offen stehen, kein Ziel haben ... Ein Sucher sieht manches nicht, was nah vor seinen Augen steht.“ In Sailers Arbeiten stehen Fund und Suche der offenen Betrachterin zugleich vor Augen. Dies macht die Spannung und Einzigartigkeit der oft auf den ersten Blick spröden Objekte aus. Sobald man sich jedoch auf eine Arbeit einlässt, sie umschreitet, die Arbeit der Augen mit dem Wieder-Erkennen verbindet, ist man überrascht. Sailers Plastiken vereinen eine höchst präzise Aussage im großen Gestus – kein Zweifel es handelt sich um menschliche Gestalten und Formen, kein Zweifel, zum Beispiel bei der Arbeit „Hinaus“, hier ist eine erhobene, flache, gespannte Hand dargestellt, den Weg öffnend – mit einem offenen Spiel zwischen Fläche und Raum im Detail. Es sind die Details, die die Betrachterin entdecken kann, aus verschiedenen Blickwinkeln, je nach Licht, je nach Stimmung und Offenheit. Die Arbeiten wecken Interesse: Wer nicht sucht, kann auch nichts finden. Sailer regt uns an – bleiben wir neugierig. Es macht Freude, zu finden.

Adelsberg, im September 2017


Johannes Priesemann

   

 

On Sunday, 17 September 2017 at 11h30 the exhibition "About Searching and Finding" with works of Gudrun Sailer is opening.


  KUNST im blauen haus · Adolphsbühlstraße 57, 97737 Gemünden · Telefon: 09351-6057193
Öffnungszeiten / opening hours: April bis/to Oktober - Samstags/Staturday bis / to Sonntags/Sunday 14h - 19h
und nach Vereinbarung /and on appointment